Facebook-Fantausch: Warum getauschte Freunde keine Freude bereiten

Screenshot Facebook Insigths

Das Thema „Fantausch“ geistert schon seit Jahren durch Blogs und Online-Newsportale.  1000 Facebook-Fans in fünf Minuten? Klingt verlockend, zumal viele Anbieter damit werben, in Einklang mit Facebook-Richtlinien zu handeln und nationales Recht nicht zu verletzen. Doch hat der schnelle Weg zu Fans auch seine Nachteile. Stephan Mayer von Social Media Blog berichtet in folgendem Beitrag von seinen Erfahrungen.

Wie Fantausch-Portale funktionieren

Um die Problematik getauschter Fans zu verstehen, muss zunächst die Funktionsweise erklärt werden. Beim Fantausch-Portal AddMeFast beispielsweise ist der Name Programm. Die mittlerweile in sieben Sprachen verfügbare Website bietet bereits seit mehreren Jahren Nutzern die Möglichkeit, durch das „Liken“ bestimmter Seiten, Punkte erwerben, die andere Teilnehmer zum Klicken animieren. Mit dem Like-Tausch lässt sich innerhalb kürzester Zeit die Zahl der eigenen Fans erhöhen.

Bei AddMeFast hat der CPC (cost-per-click) einen Einfluss darauf, wie viele Fans in welcher Zeit auf ein gewünschtes Profil klicken. Fanseiten mit einem höheren CPC werden Nutzern häufiger als Seiten mit niedrigerem CPC angezeigt. Nutzer können selbst ihren CPC regulieren, und so festlegen, in welcher Geschwindigkeit der Fanzuwachs erfolgen soll. Außerdem lässt sich bestimmen, aus welchem Land die künftigen Fans stammen sollen. AddMeFast-Nutzer können zwischen einem oder mehreren Ländern auswählen oder auf eine länderspezifische Auswahl verzichten und damit den Fanzuwachs beschleunigen.

Für AddMeFast scheint das Geschäftsmodell aufzugehen. Nach eigenen Angaben verfügt die Plattform über 3.000.000 aktive Nutzer in 220 Ländern. Auch von Deutschland aus operieren zahlreiche vergleichbare Fantausch-Portale. Ob Fanslave, Fantausch24, Fanklick oder Fan-Transfer – die Liste der Anbieter, die mit schnellem Fanzuwachs werben, ist lang ? ebenso, wie die Werbebotschaften, mit denen die Anbieter für sich werben. Von „bahnbrechendem neuen Dienst“ und „Revolution beim digitalen Marketing“ ist da die Rede. Mehr Superlative wären wohl kaum noch möglich gewesen.

Finger weg von getauschten Fans

Dabei stehen Insidern nicht erst seit gestern beim Thema „Fantausch“ die Haare zu Berge. Aus Marketing-strategischer Sicht schaden getauschte Fans nämlich mehr als das sie nutzen. Mit Facebook-Insights lässt sich schnell ermitteln, woher die Fans eines Unternehmens stammen. Tools wie Socialbench oder Socialbakers bringen weitere Details zu der Qualität der Fans ans Licht. Bei gekauften oder getauschten Fans wird das ganze Dilemma schnell ersichtlich: Fanwachstum hoch – Reichweite und Interaktion gering. Und ohne echte Interaktion und Kaufinteresse sind Fans für ein Unternehmen wertlos ? selbst wenn es sich dabei um „echte“ Fans aus dem eigenen Land handelt.

Firmen, die Fans über Tauschportale erworben haben, müssen sich auch noch Monate und Jahre später mit den unangenehmen Folgen herumschlagen, denn es zerhaut ihnen jede Statistik. Zielgruppeneinschränkung und Targeting helfen wenig, wenn es ihnen darum geht, ihre tatsächliche Reichweite zu ermitteln.

Im ungünstigsten Fall bekommen Konkurrenten eines Unternehmens oder Kritiker Wind ? wie zum Beispiel im Fall der FDP. Die Liberalen kamen Anfang 2013 in Erklärungsnöte, nachdem auf ihrem Twitter-Account quasi über Nacht 30.000 neue Follower, ein Großteil davon aus Südostasien, aufgetaucht waren. Gerüchte, dass auch andere Parteien und Verbände massiv Twitter-Follower und Facebook-Fans eingekauft haben, machen immer wieder die Runde.

Rechtliche Aspekte des Facebook-Fantauschs

Online-Rechtsexperten wie Thomas Schwenke haben was Fantausch angeht, auch juristische Bedenken. Für den in Berlin tätigen Rechtsanwalt haben Tauschportale in jedem Fall einen faden Beigeschmack. In besonders schwerwiegenden Fällen stellt die Nutzung von Plattformen wie AddMeFast durchaus einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht dar, ist sich Schwenke sicher. Wie auch immer: Mit einem schnellen Fanzuwachs  und (künstlich) hohen Fan- und Follower-Zahlen mag man Laien kurzfristig beeindrucken. Mittel- und langfristig finden Unternehmen jedoch keine Freude an getauschten oder gekauften Fans.


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